Was ist illegales Glücksspiel?
Illegales – korrekt: unerlaubtes – Glücksspiel liegt vor, wenn ein Glücksspiel ohne die nach dem Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) erforderliche deutsche Erlaubnis veranstaltet, vermittelt oder gespielt wird. Tatbestandlich erforderlich ist:
- ein Glücksspiel im Rechtssinne (der Zufall überwiegt),
- das Fehlen einer behördlichen Erlaubnis in Deutschland und
- die Teilnahme im Wissen um die fehlende Erlaubnis (Vorsatz).
Ob ein Anbieter erlaubt ist, zeigt die offizielle Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Anbieter, die nicht auf dieser Liste stehen, gelten als unerlaubt – auch wenn sie im Ausland (z. B. Malta) über eine Lizenz verfügen. Für die Veranstalter gilt § 284 StGB (Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe), für Spieler § 285 StGB.
Ist Online-Casino strafbar? Ist Online-Lotto (Lottohelden) strafbar?
Die Teilnahme an einem Online-Casino, an Sportwetten oder an Online-Lotto ohne deutsche Erlaubnis kann nach § 285 StGB strafbar sein.
Entscheidend sind zwei Fragen: Steht der Anbieter auf der Whitelist der GGL? Und haben Sie vorsätzlich gespielt, also im Wissen um die fehlende Erlaubnis? Gerade Letzteres ist der Ansatzpunkt der Verteidigung – viele Betroffene hielten ein deutschsprachiges, professionell wirkendes Angebot für legal.
Typische Konstellationen im Fokus der Ermittlungsbehörden:
- Online-Lotto-Vermittler wie Lottohelden oder Lottoland,
- Online-Casinos und Slots ohne deutsche Lizenz,
- Sportwetten bei nicht lizenzierten Buchmachern.
Wie kommt es zum Ermittlungsverfahren wegen unerlaubtem Glücksspiel?
In Deutschland laufen derzeit tausende Ermittlungsverfahren wegen Teilnahme am illegalen Glücksspiel – Tendenz steigend. Betroffen sind überwiegend Privatpersonen.
Die Verfahren kommen typischerweise auf drei Wegen ins Rollen:
- Verdachtsmeldung der Bank nach § 43 GwG: Überweisungen an – oder Auszahlungen von – bekannten illegalen Anbietern werden gemeldet.
- Auffälligkeiten bei Finanzämtern oder der FIU (Financial Intelligence Unit).
- Kooperationen mit ausländischen Behörden und ausgewertete Anbieterdaten.
Häufig genügt bereits eine einzige Zahlung an oder von einem Anbieter im Ausland, um ins Visier zu geraten. Viele Betroffene erfahren davon erst durch einen Brief der Polizei oder eine Vorladung – oft völlig überraschend.
Illegales Glücksspiel – Teilnahme Strafe: Was droht mir nach § 285 StGB?
Der Strafrahmen des § 285 StGB sieht Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen vor. In der Praxis überwiegen – gerade bei Ersttätern – Geldstrafen; Freiheitsstrafen sind selten. Ein Tagessatz entspricht ungefähr Ihrem Netto-Tageseinkommen.
Wichtiger als die Strafe selbst sind oft die Nebenfolgen:
- Eintrag ins Bundeszentralregister. In der Regel erscheint eine Verurteilung erst ab mehr als 90 Tagessätzen im Führungszeugnis.
- mögliche Auswirkungen auf Beruf oder Verbeamtung,
- die Einziehung von Gewinnen (§§ 73, 73c StGB).
In vielen Fällen wussten die Betroffenen nicht, dass sie gegen das Gesetz verstoßen. Fehlt der Vorsatz, kommt ein Tatbestandsirrtum nach § 16 StGB in Betracht – ein zentraler Hebel der Verteidigung.
Vorladung oder Anhörungsbogen erhalten – was tun?
NICHT VOREILIG HANDELN Auch scheinbar harmlose Sätze wie „Ich wusste das nicht” oder „Ich habe das nur ausprobiert” können später gegen Sie verwendet werden.
- Keine Aussage ohne Anwalt – machen Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch.
- Akteneinsicht durch einen Verteidiger beantragen.
- Spezialisierte Strafverteidigung mandatieren.
Vorladung wegen Geldwäsche statt Glücksspiel?
Nur online Lotto gespielt, aber eine Vorladung wegen Geldwäsche erhalten? Das kommt häufig vor. Banken sind verpflichtet, auffällige Transaktionen zur Geldwäscheprävention zu melden (§ 43 GwG). Stehen diese im Zusammenhang mit unerlaubtem Glücksspiel, wird teils zusätzlich wegen Geldwäsche (§ 261 StGB) ermittelt – in Einzelfällen wird sogar das Konto vorübergehend gesperrt.
Ist Lottohelden legal oder illegal? Ist Lottoland illegal?
Anbieter wie Lottohelden und Lottoland stehen immer wieder im Fokus der Aufsichtsbehörden. Soweit sie nicht auf der Whitelist der GGL geführt werden, ist die Teilnahme in Deutschland als unerlaubtes Glücksspiel einzustufen – auch dann, wenn das Angebot im Ausland zulässig ist. Für viele Spieler heißt es deshalb am Ende „Lottohelden Polizei” statt Lottohelden-Gewinn.
Ob Ihr konkreter Anbieter erlaubt ist, prüfen Sie am sichersten direkt in der Whitelist der GGL.
Vermögensabschöpfung: Muss ich meine Gewinne zurückzahlen?
Im Rahmen eines Strafverfahrens wegen unerlaubtem Glücksspiel oder Geldwäsche kann der Staat eine Einziehung von Taterträgen nach §§ 73, 73c StGB anordnen und erlangte Gewinne – notfalls als Wertersatz – abschöpfen. Häufig lässt sich jedoch einwenden, dass unterm Strich Verluste entstanden sind oder die Voraussetzungen der Einziehung nicht vorliegen. Genau hier setzen wir an.
FRIST BEACHTEN Haben Sie einen Strafbefehl mit Geldstrafe und/oder Einziehung erhalten, läuft die Einspruchsfrist von zwei Wochen. Wird sie versäumt, wird der Strafbefehl rechtskräftig.
Wann verjährt illegales Glücksspiel (§ 285 StGB)?
Die Verfolgungsverjährung richtet sich nach § 78 StGB. Da § 285 StGB im Höchstmaß Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten vorsieht, beträgt die Verjährungsfrist nach § 78 Abs. 3 Nr. 5 StGB drei Jahre.
Zu beachten ist: Bestimmte Ermittlungsmaßnahmen können die Verjährung unterbrechen und neu in Gang setzen (§ 78c StGB). Ob in Ihrem Fall bereits Verjährung eingetreten ist, prüfen wir nach Akteneinsicht.
So läuft Ihre Verteidigung bei illegalem Glücksspiel ab
- Mandatsannahme: Sobald Sie uns beauftragen, beantragen wir Akteneinsicht.
- Akteneinsicht: Wir prüfen die – oft mehrere hundert Seiten umfassende – Ermittlungsakte.
- Verteidigungsstrategie: Je nachdem, ob Vorsatz nachweisbar ist, entwickeln wir die passende Strategie – Schweigen, Einlassung oder Antrag auf Einstellung.
Unser Ziel: die Einstellung des Verfahrens
Was kostet ein Anwalt bei einem Verfahren wegen illegalem Glücksspiel?
Die Kosten richten sich nach Umfang und Schwierigkeit des Verfahrens. Für das Ermittlungsverfahren rechnen wir grundsätzlich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) ab; in aufwändigen Einziehungsverfahren kann eine gesonderte Vergütungsvereinbarung sinnvoll sein. Besteht eine Rechtsschutzversicherung, klären wir vorab die Kostenübernahme und stellen für Sie die Deckungsanfrage.
Die Kanzlei & Ihre Anwälte
tes rechtsanwälte steuerberater verfügt über umfangreiche Erfahrung im Glücksspielstrafrecht. Die Rechtsanwälte Jobst Ehrentraut und Julian Tietze haben über 100 Ermittlungsverfahren wegen Teilnahme am unerlaubten Glücksspiel (§ 285 StGB) betreut und in zahlreichen Fällen eine Einstellung erreicht.
Sie sind glücksspielsüchtig? Hier finden Sie Hilfe
Glücksspiel kann zur Sucht werden – eine Krankheit, die Betroffene und Angehörige stark belastet. Tabuisieren Sie das Thema nicht: Je früher Sie darüber sprechen, desto besser. Erste Anlaufstellen: